Der EU-Rahmenvertrag: Behauptungen und Fakten (10)

Die Länder der Europäischen Union sind insgesamt noch immer die wichtigsten Partner der Schweizer Wirtschaft. Rund die Hälfte der Schweizer Exporte in die EU gehen in die direkten Nachbarländer der Schweiz; wichtigster Handelspartner ist Deutschland.

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Der Anteil der Schweizer Exporte in Länder der EU ist indessen seit Jahren rückläufig: Gingen zu Beginn des Jahrtausends noch fast 60 % der Schweizer Exporte in die EU (die damals noch weniger Mitglieder umfasste als heute), waren es 2016 (ohne Vereinigtes Königreich) weniger als 40 %.

Mit andern Worten: Die EU verliert als Exportmarkt laufend an Bedeutung für die Schweiz (innerhalb der letzten fünfzehn Jahre um einen vollen Drittel). Demgegenüber steigen die Exporte insbesondere in asiatische Länder, allen voran China (notabene alles Länder, mit denen die Schweiz keine Personenfreizügigkeitsabkommen eingegangen ist).

Exportanteil am Gesamthandel Schweiz

Diese Verlagerung der Handelsströme vollzieht sich vor dem Hintergrund, dass das in der EU erwirtschaftete Bruttoinlandprodukt (BIP) im weltweiten Vergleich seit Jahren rückläufig ist.

Handelsbilanz

Die Handelsbilanz ist die Summe aller Importe und Exporte in ein Land. Ist die Handelsbilanz mit einem Land negativ, dann bedeutet das, dass die Schweiz mehr aus diesem Land einkauft, als sie dorthin verkauft – die Schweiz ist in diesem Falle also Kundin.

Die untenstehende Grafik zeigt die Handelsbilanz der Schweiz, aufgeschlüsselt nach ausgewählten Regionen (Linien unterhalb der 0-Linie: Negative Handelsbilanz, die Schweiz kauft also mehr, als sie dorthin verkauft. Linien oberhalb der 0-Linie: Die Schweiz verkauft mehr, als sie von dort kauft):

Die Handelsbilanz der Schweiz mit den Ländern der Europäischen Union ist seit Jahren negativ. Die Schweizer Wirtschaft kauft Jahr für Jahr für zwanzig bis dreissig Milliarden mehr Güter und Dienstleistungen aus EU-Ländern ein als sie dorthin verkauft. Die Schweiz ist also in bemerkenswertem Ausmass «Kundin der EU».

Dies zeigt sich auch darin, dass die Schweiz für die EU – nach den USA und China – der drittwichtigste Exportmarkt ist. Es gehen immerhin mehr als 8,5 % der gesamten Exporte aus EU-Ländern in die kleine Schweiz.

Anders sieht die Handelsbilanz der Schweiz beispielsweise mit den USA aus. Gegenüber der grössten Volkswirtschaft der Welt erzielt die Schweiz einen Handelsbilanz-Überschuss: Die Amerikaner kaufen also mehr in der Schweiz ein, als die Schweizer Wirtschaft in den USA einkauft.

Ziemlich ausgeglichen ist die Schweizer Handelsbilanz gegenüber China. Seit dem Jahr 2000 kauften die Chinesen etwas mehr von der Schweizer Wirtschaft, ein als die Schweiz aus China importierte. In den vergangenen Jahren änderte sich diese Entwicklung leicht.

In den Verhandlungen mit Brüssel müssten die hier zusammengefassten Entwicklungen entscheidend sein: Sie zeigen einerseits, dass die Bedeutung der EU-Länder als Handelspartner der Schweiz laufend abnimmt.

Anderseits werden allfällige Wirtschaftssanktionen oder «Ausgleichsmassnahmen» der EU zulasten der Schweizer Wirtschaft entsprechend verkraftbarer, da die Schweizer Wirtschaft sich laufend verstärkende Standbeine ausserhalb Europas aufbaut.

Von Bedeutung ist sodann, dass die Schweiz im Handel mit der EU «Käuferin» ist: Sollte die EU den Handel mit der Schweiz in irgend einer Form beschränken oder erschweren, dürften EU-Firmen stärker unter solchen Beschränkungen leiden als die Schweizer Wirtschaft.

EU-No

Bild: Pixabay.com

 

Christoph Blocher:

«Am Abend der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative wurde Angela Merkel gefragt, ob die EU nun die übrigen bilateralen Verträge fallenlassen würde. Sie sagte: ‹Wir lassen doch nicht Verträge fallen, die wir in unserem Interesse abgeschlossen haben.›»

(NZZ, 06.Dezember 2017)